Wie sehr die Japan-Katastrophe die weltweite Automobilproduktion beeinflusst
Gerade hatte sich die Automobilbranche erholt, die Auswirkungen der Wirtschaftskrise abgeschüttelt, Abwrackprämie, Kurzarbeit & Co. hinter sich gelassen und endlich neue Rekordumsatzzahlen präsentiert, da schlittert sie schon wieder in die nächste Krise. Die Katastrophe in Japan trifft die Automobilkrise mit ihren globalen, komplexen Produktionsstrukturen besonders hart. Nach Aussage der Ratingagentur Moody’s sogar härter als die Elektrobranche.
Die Stromrationierung schränkt die Produktion in den japanischen Automobilwerken ein und die zerrüttete Infrastruktur behindert den Versand. Von der bedrückenden persönlichen Lage der japanischen Arbeiter ganz zu Schweigen. Doch nicht nur die japanischen Autobauer sind von der Katastrophe betroffen. Die Automobilproduktion weltweit spürt die Auswirkungen der Krise. Und je länger sie anhält, desto schwieriger wird es besonders für die japanischen Hersteller, denn Moody’s sieht ihre Verwundbarkeit vor allem in ihrer Finanzausstattung. Gerade die Bonitätseinstufung von Toyota, das gerade erst die große Rückrufkrise hinter sich gelassen hatte, sei weniger gut. Höchstwahrscheinlich werde die Gesamtproduktion nur 70 bis 80 Prozent des Vorjahreswertes betragen. Die erwarteten Gewinnverluste fallen bei geringeren Rücklagen dann besonders ins Gewicht.
Toyota:
- Nur in zwei von zwölf Werken läuft die Produktion bereits wieder. “Wir mussten die Werke weiterhin anhalten, weil es noch immer relativ wenig Strom gibt und auch die Transportwege noch nicht frei sind”, äußert sich ein Toyota-Sprecher.
- Außerdem stockt die Zulieferung bei ca. 500 Bauteilen und Kunststoffkompetenten.
- Man rechnet damit, dass die März-Produktion nicht einmal 50 Prozent der Vorjahresniveaus erreichen kann.
- In Europa sind bisher keine Lieferengpässe zu spüren, erst in den nächsten vier bis fünf Wochen könnte es zu ersten Engpässen kommen.
- Über Dreiviertel der für den europäischen Markt produzierten Toyota-Modelle werden aber auch in Europa selbst gefertigt.
- Bei Toyota USA wurde am Wochenende die Produktion eingestellt.
Nissan:
- Im Gegensatz zu Toyota läuft bei Nissan bald alles wieder.
- Mitte April will der Autobauer an allen Produktionsstandorten (mit Ausnahme des Motorenwerkes Iwaki in der Präfektur Fukushima) die Arbeiten wieder aufnehmen.
- Aber auch Nissan machen Lieferengpässe bei Zulieferteilen Schwierigkeiten.
- Nissan schätzt, dass 55.000 Einheiten weniger produziert werden als geplant.
- Nissan erwartet aber keine Auswirkungen für den europäischen Markt.
- 80 Prozent der für den europäischen Markt bestimmten Nissan-Modelle werden auch in Europa direkt produziert.
Honda:
- Honda will Anfang April in zwei Werken die Produktion wieder aufnehmen.
- Drei weitere Werke bleiben zunächst geschlossen.
- Eine weitere Produktionsanlage unmittelbar im Katastrophengebiet kann wohl erst in einigen Monaten wieder komplett wiederhergestellt werden.
- Honda kündigt für vier Werke in Kanada und den USA Kurzarbeit an.
Suzuki:
- Nur zwei von sechs Werken stehen bei Suzuki still. In den anderen wird dafür die Produktion hochgefahren.
- Auch Suzuki hat mit Lieferengpässen bei den Zulieferteilen zu kämpfen.
- Suzuki sieht aber noch keine Schwierigkeiten für den europäischen Markt. Da aber seit der Katastrophe keine Fahrzeuge mehr verschifft wurden, kann es durchaus zu Lieferverzögerungen kommen.
Renault:
- Renault Samsung Motors muss die Produktion in Südkorea für einen Monat um 20 Prozent drosseln.
Deutsche Autohersteller:
- Angeblich prüfen derzeit gleich mehrere deutsche Autobauer die Kurzarbeit wieder einzuführen, wie eine Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit gestern bestätigte.
(Foto: olga meier-sander / pixelio.de)

